Aktien statt Olivenbäume –

Umtauschaktion irritiert Anleger der Oliveda?

 

Veröffentlicht am 09.05.2017

Olivenbäume: Als unsere Mandanten sich Ende 2015 bewusst für ein ökologisch wertvolles Direktinvestment in Olivenbäume entschieden, ahnten sie nicht, was daraus werden würde. Nicht einmal 18 Monate später soll ein Umtausch der gekauften Olivenbäume in Spanien in Aktien der OLIVEDA International Inc. Aktien erfolgen. Hintergrund ist wohl eine angekündigte Verfügung seitens der BaFin – der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen.

Olivenbäume: Geschichte des Direktinvestments der Olive Tree Farmers:

Olive Tree Famers / Olive Tree Pharmacy S.E. boten seit 2014/2015 in Deutschland Anlegern ein Direktinvestment in Olivenbäume in Spanien an. Die Anleger kauften Olivenbäume: Sie schlossen parallel einen Baumpflege- und Bewirtschaftungsvertrag mit Olive Tree Famers / Olive Tree Pharmacy S.E. ab. Der Kaufpreis pro Olivenhain betrug zunächst 9.500,00 Euro. Er wurde aber teilweise auf 7.800,00 Euro reduziert. Die Olive Tree Famers (GmbH) bzw. die Olive Tree Pharmacy S.E. sollte die Olivenbäume pflegen und die Nutzungen daraus ziehen. Die Anleger sollten im Gegenzug pro Olivenhain (=10 Olivenbäume) jährlich eine Ausschüttung in Höhe von 780,00 Euro erhalten. Es handelt sich um einen sogenannten Sale-and-lease-back-Vertragskonstruktion. Problematisch scheint vorliegend Folgendes zu sein: Die Olive Tree Famers / Olive Tree Pharmacy S.E verpflichtete sich in den Verträgen dafür zu sorgen, dass der Anleger seinen Kaufpreis zurück erhält. Sie verpflichteten sich, nach Ablauf der Vertragslaufzeit einen Käufer zu finden und ggf. die Differenz zum Einstandspreis auszugleichen.

Eine ähnliche Konstruktion wurde jedoch bereits zuvor in der Schweiz von der Oliveda Switzerland AG angeboten und von der dortigen FinMA letztlich verboten. Die schweizerische Finanzmarktaufsicht ist wohl zu dem Ergebnis gekommen, dass die diese Geschäfte Bankgeschäfte darstellen. Für diese benötigt man jedoch eine entsprechende Erlaubnis der Behörde.

Dieses Geschäftsmodell wurde dann nach Deutschland verlagert. Nun scheint auch die deutsche Aufsichtsbehörde von einem unerlaubten Bankgeschäft auszugehen. Sollte die BaFin eine entsprechende Verfügung erlassen, müssten sämtliche Verträge rückabgewickelt werden. Dies würde – so weist Herr Lommel ( geschäftsführer der Firma Oliveda Deutschland GmbH mit Sitz in Düsseldorf) in einem Schreiben an die Anleger vom 24. März 2017 hin – zur Insolvenz der Olive Tree Famers / Olive Tree Pharmacy S.E. als Pachtzinszahlerin führen. Aber man biete an, die Olivenbäume in Aktien der OLIVEDA International Inc. umzutauschen.

In einer Mail vom Frühjahr 2017 wird darauf hingewiesen, dass sich die Aktie der OLIVEDA International Inc. prächtig entwickeln würde.

Olivenbäume: Der Umtausch – Vorsicht ist anzuraten!

Wer auf diesen Umtausch eingeht und die Vereinbarung unterschreibt, verliert vermutlich sämtlich im ursächlichen Zusammenhang mit dem Erwerb der Kapitalanlage stehende (Schadensersatz-)Ansprüche gegen die Beteiligten.

In Ziffer 7 der Vereinbarung heißt es wörtlich:

Damit sind alle wechselseitigen Ansprüche aus und über den Vertrag Nr. 100212 (Kaufvertrag) und Nr. 100212 (Pacht- und Rückkaufvertrag) erledigt.“

Demnach wären auch bereits abgerechnete, aber noch nicht geleistete Pachteinnahmen nicht mehr an die Anleger auszuzahlen. Vor dem Hintergrund, dass zumindest zum teil Pachteinnahmen für 2016 zwar abgerechnet, aber noch nicht ausgezahlt wurden, wäre das für die Anleger sehr ärgerlich .

Zudem könnten auch etwaigen Schadensersatzansprüche wegen fehlerhafter (Anlage-)Beratung oder Vermittlung sowie Prospekthaftungsansprüche ebenfalls damit abgegolten sein. Denn es handelt sich um eine sogenannte Generalquittung, mit der sämtliche gegenseitigen Ansprüche abgegolten sein sollen. Bei einer gerichtlichen Überprüfung dieser Vereinbarung könnte zu Lasten der Anleger, die sich auf die Übertragung und den Umtausch eingelassen haben, entschieden werden. Letztlich spielen dabei auch wieder die Umstände des Einzelfalls eine Rolle.

Wir können nur alle betroffenen Anleger dringend raten, juristischen Rat einzuholen und zunächst sämtliche Ansprüche prüfen zu lassen.“ erklärt Frau Rechtsanwältin Sandra Lingnau, Fachanwältin für Bank- und Kapitalmarktrecht.

Des Weitere wird gegenüber den Anlegern nicht dargestellt, dass die Aktie lange Zeit keine nennenswerte Wertentwicklung verzeichnete. Unklar ist auch, auf welche Umstände die derzeitige Entwicklung zurückzuführen ist. Jeder Betroffene kann sich die Kursentwicklung selbst im Internat anschauen, um sich ein eigenes Bild von der Entwicklung der Aktie zu machen.

Wir halten die Kapitalanlage für sehr fragwürdig“, sagt Rechtsanwältin Sandra Lingnau, Fachanwältin für Bank- und Kapitalmarktrecht. Nach Ansicht von Frau Rechtsanwältin Lingnau wurden die Anleger oftmals fehlerhaft beraten und nicht ordnungsgemäß über die mit der Anlage verbundenen Risiken aufgeklärt. Gerade die Tatsache, dass das vergleichbare Modell nur ein Jahr zuvor von einer europäischen Finanzmarktsaufsichtsbehörde verboten und ein Konkursverfahren eingeleitet wurde, stellt einen aufklärungspflichtigen Umstand dar. Zudem enthält der Prospekt (Stand Oktober 2015) keine hinreichende Risikoaufklärung und ist daher fehlerhaft.

Vor diesem Hintergrund empfehlen wir unseren Mandanten gegen die Beteiligten (Vermittler/Berater/Prospektverantwortliche) wegen fehlerhafter Beratung und mangelnder Aufklärung vorzugehen.“ teilt Frau Rechtsanwältin Lingnau mit. Den Anlegern stehen insoweit Schadensersatzansprüche in Form einer vollständigen Rückabwicklung zu.

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